Ende


Kleine Straßen durch kleine Ortschaften. Die Hügellandschaft fahlt unter der tiefhängenden Wolkendecke, die dort westlich trübe Regenbalken aufs Land zerrt. Doch dann zieht mein Weg in leichtem Bogen nach Norden dran vorbei. Das Fahren wird unmerklich angenehm zum Sein ohne Zeit.
3600 Touren summen unter mir seit Stunden scheinbar ziellos auf der Straßenschlange, und manche Senke schaltet uns in den Dritten zum seichten Anstieg linksgebäumt. Die Aufmerksamkeit ist ein Flug ohne Erinnerung.

Ein Castle-Schild zur Linken bricht meine Trance. Und dann merke ich die nötige Pause. Im Ersten fahre ich unter aufgebrochenem Himmel den weiten Wiesenweg hoch, suche unter der Burgensilhouette für den Seitenständer Halt.
Sonne sitzt in der Wiese vor der Klostermauer. Ich esse ein Sandwich, Durst trinkt viel. Das Motorrad steht dort unten zufrieden vor dem Buchenhain.


Mineheads Ortsschild leuchtet in der Abendsonne, und das Navi will noch 300 Meter zur Ortsmitte fahren. Kopfsteinpflaster hier auf der kleinen Promenade. Ich parke bei anderen Bikes vor der Kaimauer, hänge den Helm an den Lenker. Wolkenfenster öffnen sich für tiefen Sonnenschein und Möwenschrei bei ruhiger See. Bushaltebänke links, davor sitzhohe Betonsteine.

Ob er von hier sei, frage ich den Blickkontakt vor mir mit Motorradjacke und lasse mich gegenüber nieder. Ja - meint er und sieht mich fragend an. Ich suche eine Unterkunft - und ob das Hotel dort drüben in Ordnung sei, zeige ich dort hin. Nein, sagt er, ich solle lieber dran vorbei fahren und dann links. Nach einer Rechtskurve wie zurückgefahren sei auf der linken Seite ein Guesthouse, billiger und besser. Er schweigt ein wenig und fragt dann doch, woher ich komme und wie ich hierhin gefahren sei, und ich erzähle ihm meine Geschichte.

Es sei früher einfacher und besser gewesen in Minehead. Ehrlicher.

Was denn dieses gigantische Zelt dort hinten sei, zeige ich mit ausgestrecktem Arm. Und er erklärt mir den Tourismus. Und die Arbeitslosigkeit.

Lands End? Das werde ich nicht in einem Tag schaffen. Das Wetter sei nicht gut genug. Er habe die 230 Kilometer mal an einem Tag gemacht, inklusive der 230 Kilometer Rückweg. Nein - ich solle nicht hetzen. Seine Suzi - Genesis - sei sehr schnell. Damit könne man das schaffen.

Ich gebe ihm zum Abschied die Hand, ziehe den Helm auf und fahre die kurze Strecke zum Guest­house. Parking auf dem Platz davor. Es hat noch ein freies Zimmer.

Das Gepäck hoch gebracht mache ich einen Gang nach Westen zum kleinen Hafen. Wattewolken finden ein rosa Leuchten im Himmel auf meiner rechten Seite. Am Ende des Kais dann eine Kneipe.

Draußensitzen mit Guinness dunkelt den Tag, und die Ebbe malt Stillleben mit zufälligen Fischerbooten im wasserlosen Sand dort unten. Linksvorn schützt die scheinbar übergroße Kaimauer auch die Armen.

Stilles Bild senkt meine Augen zur Nacht.
Leseprobe
Mineheads
Mole bei Ebbe

Foto © by Laurids Anders
BOD, Word, iPod, html-Eggs und PhotoImpact sind eingetragene Warenzeichen.

Die Idee für ein Reisebuch hatte ich zwei Wochen vor meiner Abfahrt. Tagebuch? Ja! Ich begann mit skizzenhaften Eintragungen im iPad mit der Verstellung, das Geschehen aus meinen Augen heraus in die Jetztzeit zu schreiben. Die Skizzen formten Texte, die wie eigene Kapitel darherkamen. Ich begann zu korrigieren und an Sätzen zu feilen - und daraus entstand die vorliegende Erzählung.
Manche Gedanken fehlten im Nachhinein noch und wurden ergänzt - na klar, aber das waren nur wenige.

Die Schwierigkeit der Jetzterzählung ist die konsequente Vermeidung der Antizipation, der Vorausnahme des Kommenden. Die tagebuchartige Dokumentation gab mir den Rahmen dafür.

Das iPad lag während der Reise beinahe täglich auf meinen Oberschenkeln. Ich schrieb auf, was ich erlebt hatte, wie und wo mein Tag war - und vor allem: warum sich die Welt in dieser Art dargestellt hat. Ich war und bin ein Beobachter des Vergangenen; aber oft genug - wie in den hohen Wiesen von St. Ives oder in den Straßen von Eaton - war ich auch ein Beobachter des Jetzt.


Back home.
BOD verlangt das Manuskript als PDF. Ja - kann man aus dem iPod heraus realisieren - ist aber inhaltlich eher was für Schreibeprofis. Meine Stetigkeit verlangte Word auf einem Homecomputer zum Weiterschreiben Und ein Druckertreiber von BOD beamte die Daten letztlich dorthin. (Seitenzahlen, Seitenumbruch und Abschnittswechsel wurden auf die Probe gestellt).

Das Cover.
Die Vorlagen auf den BOD-Seiten entsprachen nicht meinen Vorstellungen. Also selbermachen, und Photoimpact ausgegraben pixelten sich die Texte und Ränder auf das Display. Hochgeladen dann wieder mit dem Druckertreiber (die Größenanpassung lag ziemlich versteckt in irgendwelchen Unterschaltflächen), wurden die Layoutkünste letztlich angenommen.

Version 1 war fertig. Buch bestellt, und wenige Tage später lag es in meinen Händen. Was für ein Gefühl!

Layout gut, Text mit Schwächen - Überarbeitung und Version 2 übertragen.


Die Homepage.
Html-Eggs für iPad ist gewöhnungsbedürftig. Ja - man kann gut damit arbeiten - aber neben der Pflicht, regelmäßig das Erstellte zu sichern, fehlt die Rückgängig-Funktion. Na - vielleicht habe ich sie einfach nicht entdeckt.
Das Programm macht dennoch Spaß, weil Bilder und Texte problemlos zu arrangieren sind. Der FTP-Download ist einfach und schnell.

Ah - ok. Html-Eggs ist das das Internet-Layoutprogramm, mit dem ich genau diese Seiten schreibe.

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Laurids Anders : Südenglands Ende
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